Dachziegel mit Sternenmotiv

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Objekt des Monats Dezember 2017

NM 6719, Dachziegel, Ton gebrannt, 38x17x2.5 cm, Foto: A.Heini
NM 6719, Dachziegel, Ton gebrannt, 38x17x2.5 cm, Foto: A.Heini

In der Weihnachtszeit sehen und verwenden wir mehr dekorative Gegenstände als im restlichen Jahr. Wir schmücken die Häuser, die Geschäfte und die Orte mit Tannen, Glaskugeln und Lichtern; wir verschönern unser Zuhause für die Adventszeit und die Festtage. Ein Motiv, dass in der Weihnachtszeit sehr häufig verwendet wird, ist der Stern. Man findet ihn auf Stoffen, Guetzlidosen oder als Baumschmuck. In der biblischen Erzählung von Jesu Geburt spielt der Stern eine wichtige Rolle, er leitet sowohl die Hirten als auch die Heiligen Drei Könige zum Stall, in dem Jesus geboren wurde. Zudem ist er auch ein biblisches Symbol für das Licht und den Himmel.

Auf der Suche nach einem Objekt, das mit Sternen geschmückt ist, tauchte ein Gegenstand auf, bei dem man auf den ersten Blick nicht an Dekoration denkt: Ein Dachziegel. In der Sammlung des Nidwaldner Museums finden sich mehrere gestaltete Ziegel aus der Region. Oft sind es Dachdecker, die bei der Arbeit an alten Gebäuden Ritzzeichnungen und Sprüche auf Ziegeln finden, die für den beiläufigen Betrachter verborgen bleiben. Im süd-deutschsprachigen Raum gibt es eine Vielzahl solcher Ziegel aus der Zeit vor 1900, heute sind sie ein begehrtes Sammelobjekt für volkskundlich Interessierte. Zugleich erlauben sie auch einen flüchtigen Blick auf persönliche Gedanken und Haltungen eines historischen Zieglers oder Bauherrn. Man nennt solche Ziegel mit Bildern oder Kritzeleien auch "Feierabendziegel". Diese Bezeichnung entstammt der Vorstellung, dass ein Ziegler, der am Tag schätzungsweise bis zu 1000 Stück von Hand fertigte, als Abschluss seines Tagwerks einen Ziegel verzierte. Als Handwerkertradition ist dies jedoch nicht belegt. Die Motivation, Dachziegel mit Motiven zu versehen scheint vielfältiger: Im 16. Jahrhundert waren religiöse Darstellungen und Sprüche die häufigsten Ziegelverzierungen, ein Beispiel ist der sogenannte "Floriansziegel", der das Haus und seine Bewohner vor Feuer schützen sollte. Auch Bausteine für Klöster und Kirchen wurden mit aufwändigen Modeln mit religiösen Motiven verziert. Andere Ziegel zeugen von profaneren Themen. So gibt es Ziegel mit dahingeworfenen Abrechnungen, Kinderzeichnungen und solche mit Liebesschwüren und obszönen Sprüchen. Mit Abstand am häufigsten jedoch sind Signaturen des Herstellers und Jahresdatierungen.

Der vorgestellte Ziegel ist mit einem simplen Muster aus Sternen und Kreuzen versehen. Sein Alter und sein Verwendungsort bleiben unbestimmt. Eine Vermutung über den Herstellungsort kann dennoch angestellt werden: Ziegeleien sind in der Regel dort angesiedelt, wo das Rohmaterial vorhanden ist. In Nidwalden findet man Ton und Mergel an den Ufern des Vierwaldstättersees, daher liegt es nahe, dass der Ziegel in einem der Seeorte hergestellt wurde. Die Abdrücke der Sterne und Kreuze sind regelmässig, was auf die Verwendung eines Stempels hinweist, was wiederum auf eine Absicht, diesen Ziegel zu verzieren, hindeutet. Am oberen Ende befindet sich der Buchstabe H mit Kreuz. Diese Kombination findet man im Christusmonogramm IHS. Der Ziegel ist also mit dem Namen Jesu, dem wichtigsten christlichen Zeichen des Kreuzes und Sternen gestaltet. Dieser religiöse Zusammenhang verweist auf die Bedeutung der Sterne als Zeichen für den Himmel, vielleicht auch auf die Hoffnung und den Glauben, in den Himmel zu gelangen. Es ist gut vorstellbar, dass ein Bauherr sich das für alle Bewohner seines Hauses wünschte. Mit einem verzierten Ziegel konnte er diesen Gedanken auf dem schützenden Dach seines Zuhauses verewigen.

Das Nidwaldner Museum wünscht Ihnen und ihren Liebsten eine helle, sternenerleuchtete Weihnachtszeit und alles Gute für das neue Jahr.

 

Autorin: Alexandra Heini, 2017

 

Luzia Tonezzer, Feierabendziegel. Eine Auswahl des Ziegeleimuseums Cham. Weihnachtsbroschüre 2004, hrsg. von der Stiftung Ziegelei – Musem Cham, 2004.

Gestaltete Ziegel. Sprüche und Motive auf Dachziegeln. Ausst.-Kat. Städtisches Museum Waiblingen 21.8-18.9.1988, hrsg. von Helmut Herbst und der Stadt Waiblingen, 1988.

http://dachziegelarchiv.ch/

Ziegeleimuseum Cham http://www.ziegelei-museum.ch/

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