Das Trumscheit, Tromba Marina oder die Nonnengeige

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Objekt des Monats Juni 2017

NM 1096 Trumscheit.jpg

Das Objekt des Monats Juni ist ein altes, etwas kurioses Instrument. Bei einem Trumscheit, auch Nonnengeige oder Tromba Marina genannt, handelt es sich um ein grosses Saiteninstrument. Es ist ein früher Verwandter des Cellos und des Kontrabass' mit dem Unterschied, dass es nur eine Saite und einen eckigen, unten offenen Korpus besitzt. Durch den Fingersatz auf der Saite werden Naturtöne erzeugt. Die deutsche Bezeichnung Trumscheit ist ab dem 15. Jahrhundert belegt. Sie setzt sich aus den mittelhochdeutschen Worten trumme (Trommel) oder trumpe (Trompete) und scheit (längliches Holzstück) zusammen. Auf den ersten Blick hat ein Saiteninstrument wenig mit einer Trompete oder einer Trommel gemeinsam, doch wird man sich des etwas scheppernden, blechernen Klang dieses Instruments gewahr, wird klar, dass dieser Name nicht ohne Grund aufkam. Der Trompetenton entsteht dadurch, dass der Steg, über den die Saite gespannt wird, beweglich ist. So erzeugt die Saitenschwingung einen schnarrenden Ton lässt. Eine etwas unfreundlichere Bezeichnung für dieses Instrument ist auch "Kratzscheit".

Die ältesten bekannten Trumscheite stammen aus dem Mitteleuropa des 14. Jahrhunderts. Ursprünglich wurden sie in der Luft oder auf den Knien gehalten und in dieser Weise gespielt. Im 17. Jahrhundert verfeinerte sich das Instrument, wurde grösser und musste auf den Boden gestellt werden. Ab diesem Zeitpunkt spricht man von der Tromba Marina, der Meeres-Trompete. Bereits im 19. Jahrhundert waren diese Instrumente selten geworden, was sie zu begehrten Sammlungsstücken werden liess. Das Germanische Nationalmuseum beispielsweise zählt Trombe Marine zu den ersten Musikinstrumenten, die in die Sammlung aufgenommen wurden. Da dieses Instrument schwierig zu spielen ist und musikalisch nicht allzu viele Gestaltungsmöglichkeiten bietet, wurde es von den klassischen Instrumenten bald überholt. Dennoch oder gerade deswegen ermöglichen die Trumscheite, die heute vor allem aus historischem Interesse noch gebaut und gespielt werden, eine aussergewöhnliche Erfahrung von Musik aus einer anderen Zeit. Wie dies klingt, ist im folgenden Video einer spanischen Gruppe, die Musik aus der Renaissance und dem Mittelalter spielt, zu hören. Der stehende Mann links spielt eine Tromba Marina, die sitzende Frau gleich daneben spielt einen Hybrid aus dem Trumscheit und der Viola da Gamba.

https://www.youtube.com/watch?v=ZRfwaf8ZlKk

 

Die unterschiedlichen gängigen Namen für dieses Instrument verraten uns etwas über seinen Klang, aber auch über seinen Verwendungsort. Der dritte Name, die Nonnengeige, verweist auf den einzigen Ort, wo es den Frauen des Spätmittelalters und der Renaissance erlaubt war, Musik zu machen. In den Klöstern wird die Musik als Form der Huldigung Gottes gelebt und auch gelehrt. Das Trumscheit aus dem Bestand des Nidwaldner Museums stammt aus dem Frauenkloster St. Klara in Stans. Es ist mannshoch und aus Tannenholz gefertigt. Im Vergleich zu anderen Instrumenten dieser Art ist es nur spärlich verziert.

Eigentlich widersprach es der Kapuzinerregel, die zur "wahren Strenge, Armut und bescheidene(n) Lebensführung"[i] anhielt, zu musizieren. Nichtsdestotrotz wurde in den Klöstern der Kapuzinerinnen das Stundengebet gesungen. In St. Klara waren immer wieder Schwestern anzutreffen, die musikalisch besonders herausstachen. Darunter befindet sich auch eine Trumscheit-Spielerin: Sr. M. Klara-Dominika von Büren (1657-1736). Sie kam als junges Mädchen zuerst als Kosttochter ins Kloster, danach legte sie schon mit 17 Jahren die Profess ab. Sie genoss einen fundierten Musikunterricht, lernte das Orgelspiel und auch die Nonnengeige – oder Marientrompete, wie das Instrument in dieser Gegend auch genannt wurde. Sie spielte "perfect"[ii] und erteilte auch anderen Schwestern Unterricht auf dem Trumscheit. Ob sie auch auf dem Trumscheit des Nidwaldner Museums spielte, ist ungewiss. Dieses erinnert uns and die kulturelle Vielfalt der Vergangenheit und gibt uns einen Eindruck längst vergessener Klänge in der Gegenwart.

Autorin: Alexandra Heini, 2017

 

Literatur

Silke Berdux und Erich Tremmel, Trumscheit/Tromba Marina, Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG) online (https://mgg-online.com/article?id=mgg16171&v=1.0&q=trumscheit&rs=mgg16171, 19.6.2017).

Br. Raphael Grolimund, "'Singet Lob unserem Gott' Die Musik im Kloster", in: 400 Jahre Kloster St. Klara. 1615-2015 Kapuzinerinnen in Stans, hrsg. Vom Historischen Verein Nidwalden, Stans 2015, 171-191.

Ina Lemm, Das Trumscheit. Ein kleiner Exkurs über ein fast vergessenes Instrument (Vortrag), Museum Lissberg 2015 (http://www.museum-lissberg.de/wp-content/uploads/2015/02/das-trumscheit-ina-lemm.pdf, 11.6.2017).

Ralf Ketterer, "Die Tromba Marina. Ein aussergewöhnliches Streichinstrument", in: Kulturgut Nr. 4, 2004, 10-11.



[i] Vgl. Kuster/Huber/Schmucki nach Grolimund, S. 173.

[ii] Vgl. St. Klara, Leuw-Chronik nach Grolimund, S.175.

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